“Judenhass” – Michel Friedman im Gespräch

Zum gleichnamigen Buch des deutsch-französischen Juristen, Philosophen, Autor, Publizisten und Moderator 

08.11.2024 - 19:00 bis 22:00

„Wo seid Ihr?“ – fragt Michel Friedman uns in seinem neuesten Buch „Juden Hass“ – Wo bist du, Nachbar*in von jüdischen Menschen? Wo bist du – Zivilgesellschaft? Wo seid ihr? – ihr Intellektuellen, Ihr Künstler*innen, Ihr Christ*innen? Es ist ein Hilfeschrei aus einer tiefen Enttäuschung jüdischer Menschen und jüdischer Gemeinden, die nach dem 7.Oktober auf Kundgebungen der Menschlichkeit gewartet haben. Statt Bekundungen des Mitgefühls gab es Jubel auf deutschen Straßen, Beleidigungen und Angriffe auf jüdische Deutsche, auf Synagogen, es wurden Hauswände mit Davidsternen markiert wie 33! Wie ist das zu erklären, dass sich die deutsche Gesellschaft mit den Frauen im Iran; mit der Ukraine öffentlich solidarisierte, aber ausgerechnet bei einem genozidalen Massaker an jüdischen Menschen die Empathie nicht funktionierte? Friedman fragt uns: muss man diese Gleichgültigkeit der Mehrheit nicht als die Konsequenz eines Versagens der deutschen Erinnerung verstehen, der demokratischen- rechtsstaatlichen Kultur? Ein „kommunikatives Gedächtnis“ (Aleida Assmann) konnte sich zwischen den Generationen nach dem Krieg nicht ausbilden. Stattdessen gab es ausgenommen das Engagement Einzelner vor allem eine symbolpolitische Erinnerungskultur in der BRD. Wie oft hörte man und hört das „Nie wieder“ und das „Wehret den Anfängen“ – heute ein hohles Versprechen in den Ohren jüdischer Menschen. Heute sind wir wieder soweit, dass unser Staat in Gestalt des Bundesbeauftragten für Antisemitismus unsere jüdischen Staatsbürger*innen auffordert, ihr Jüdisch- sein möglichst nicht offen zu zeigen. Ein Offenbarungseid – meint Friedman!

Foto: Organisationsbüro von Michel Friedman